Den Geist ausgießen über alle Menschen
Das Ambo
In der Pfarrkirche St. Judas Thaddäus in Duisburg - Buchholz hat der Bildhauer Gerd Adelmann auf der Vorderseite des Ambo das Pfingstereignis dargestellt. Ein recht ungewöhnliches Thema an dieser Stelle, aber mit Bedacht gewählt: Judas Thaddäus, der Pfarrpatron, ist einer der Menschen, die bei diesem ,,Geburtstag der Kirche“ dabei waren und in der noch kleinen Gemeinschaft der Urkirche — die Apostelgeschichte (1,15) spricht von ,,etwa hundertzwanzig“ Männern und Frauen — von Gottes Geist erfüllt worden sind. Auf dem Relief ist wie in Pfingstbildern üblich, ,,nur“ der Zwölferkreis - die Apostel - dargestellt. Aber die ,,Zwölf“ stehen nicht als das Leitungsgremium, dem der Geist Gottes exklusiv verliehen worden ist, sondern stellvertretend für die ganze Kirche, das neue ,,Volk Gottes“, so wie im Alten Testament die Zahl ,,Zwölf“ auf die zwölf Söhne Jakobs und damit auf das Volk Israel insgesamt verweist.
In der Pfingstpredigt des Petrus heißt es denn auch:
,,Ich werde von meinem Geist ausgießen über alles Fleisch. Eure Söhne und eure Töchter werden Propheten sein, eure jungen Männer werden Visionen haben, und eure Alten werden Träume haben. Auch über meine Knechte und Mägde werde ich von meinem Geist ausgießen…,,
Apostelgeschichte 2,17f.
Mit Worten des Propheten Joel sagt Petrus: Alle sind mit dem Geist Gottes beschenkt worden, niemand bleibt ausgeschlossen. Männer und Frauen, alt und jung, ja auch die niedrigsten Gesellschaftsschichten - die Sklaven - werden von der Begeisterung erfasst.
Auch der Künstler hat an diese größere geisterfüllte Gemeinschaft gedacht: Neben den kräftig aus der Reliefplatte hervorspringenden zwölf Feuerzungen für die Apostel – ,,auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder“, heißt es in der Apostelgeschichte (2,3) – deutet er noch viele andere kleine und große Zünglein an. Und auch den Kreis, der die Menschen umschließt, mag man als Hinweis auf den Erdkreis“ verstehen, der vom Geist des Herrn erfüllt wird.
Der Kreis ist aber auch Ausdruck der Gemeinschaft, die die Menschen nun verbindet: er meint die Einheit der Kirche, die der Geist in ihr wirken will, und das brüderliche Miteinander, das jetzt Alltag und Sonntag dieser ,,Gemeinde“ bestimmt. Der Verfasser der Apostelgeschichte hat am Ende des Pfingstberichtes in eindringlichen Worten geschildert, wie die Urgemeinde als Gemeinschaft lebte, und dieses Bild seiner und unserer Zeit als Vor-Bild vor Augen gestellt:
„Und alle, die gläubig geworden waren, bildeten eine Gemeinschaft und hatten alles gemeinsam… Tag für Tag verharrten sie einmütig im Tempel, brachen in ihren Häusern das Brot und hielten miteinander Mahl in Freude und Einfalt des Herzens“
Apostelgeschichte 2,44.46
Schließlich wird im Bild noch etwas sehr Wichtiges sichtbar: der Kreis ist nicht geschlossen! Die Gemeinde bildet keine geschlossene Gesellschaft, kein Getto. Sie durchstößt ihre Grenzen, strahlt aus, wächst, wächst über sich hinaus. Lukas schließt seine Beschreibung der Urgemeinde mit der Feststellung:
,,Sie lobten Gott und waren beim ganzen Volk beliebt. Und der Herr fügte täglich ihrer Gemeinschaft die hinzu, die gerettet werden sollten“
Apostelgeschichte 2,47
Herbert Fendrich


