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Der Kreuzweg in St. Judas Thaddäus

Der Kreuzweg besteht aus 15 Platten, deren Maße ca. 30 x 30 cm sind. Er ist, wie das bereits geschaffene Tabernakel-Gehäuse und der Ambo, aus Bronze gegossen Bei dem Kreuzweg wurden bewusst auf alle Randfiguren und Nebensächlichkeiten verzichtet. Nur bei einigen Stationen mussten Personen mit hineingenommen werden, weil sie zum Verständnis der Darstellung wichtig sind. Die sechste Station zeigt nicht die Begegnung zwischen Christus und Veronika, sondern das Antlitz Christi auf dem Schweißtuch. Auf vielen Stationen sind nur Christus und das Kreuz zu sehen. Jesus bleibt selbst auf seinem Leidensweg der Herr, der seinen weg bewusst geht, das Kreuz freiwillig annimmt und dadurch überwindet. Somit verliert das Kreuz seine bedrückende Schwere, es wird zum Licht, zum Zeichen des Heils. Darum ist bei allen diesen Stationen das Kreuz aus der Platte herausgeschnitten, damit es durch das Weiß der Kirchenwände leichter und transparenter erscheint. Nur bei den Stationen, bei denen Christus stürzt, ist das Kreuz erhaben auf die Platten gesetzt worden. Es schein ihn zu erdrücken, er fällt immer tiefer, wir können den Weg seiner Erniedrigung begleiten.

 

Ursprünglich besteht der Kreuzweg aus 14 Stationen, wobei die Grablegung die letzte ist. Der Leichnam Jesu ist durch einen Ring von Steinen eingeschlossen. Der Tod scheint endgültig, der Tod scheint Sieger zu sein. Doch im Glauben bekennen wir Jesu Tod als Überwindung des Todes und Sieg des Lebens. Darum fügte der Künstler eine neue Station, die 15. hinzu, welche die Auferstehung zeigt. Sie soll in uns die Hoffnung stärken, dass auch unser Weg durch den Tod zur Auferstehung führt. Bei der letzten Station sehen wir Christus in den Umrissen einer aus der Platte herausgeschnittenen Hand. Es ist die Hand Gottes, in welche Christus sich bei seiner Auferstehung zurückbegibt.


Ich hoffe, dass der neue Kreuzweg Ihnen hilft, das Geheimnis des Lebens Jesu und damit unseres Glaubens tiefer zu verstehen.
Mülheim, im September 1976, Gerd Adelmann, Bildhauer


Die vierzehn Stationen

Erste Station – Jesus wird zum Tod verurteilt

„Sie haben mir ohne Grund ein Netz gelegt, mir ohne Grund eine Grube gegraben. Da treten ruchlose Zeugen auf. Man wirft mir Dinge vor, von denen ich nichts weiß. Sie vergelten mir Gutes mit Bösem; ich bin verlassen und einsam.“


Zweite Station – Jesus nimmt das Kreuz auf seine Schultern

Pilatus lieferte ihnen Jesus aus, damit er gekreuzigt würde. Sie übernahmen Jesus. Er trug sein Kreuz und ging hinaus nach Golgotha.

„Was sie reden, dient nicht dem Frieden; gegen die Stillen im Land ersinnen sie listige Pläne. Sie reißen den Mund gegen mich auf und sagen: ‚Dir geschieht recht. Jetzt sehen wir’s mit eigenen Augen.’ Du hast es gesehen, Herr. So schweig doch nicht! Herr, bleib mir nicht fern! Wach auf, tritt ein für mein Recht, verteidige mich, mein Gott und mein Herr! Verschaff mir Recht nach deiner Gerechtigkeit, Herr, mein Gott!“

Ps 34, 20-24

Dritte Station – Jesus fällt zum ersten Mal unter dem Kreuz

„Als ich stürzte, lachten sie und taten sich zusammen. Sie taten sich gegen mich zusammen wie Fremde, die ich nicht kenne. Sie hören nicht auf, mich zu schmähen; sie verhöhnen und verspotten mich, knirschen gegen mich mit den Zähnen. Herr, wie lange noch wirst du das ansehn?“

Ps 35, 15-17

Vierte Station – Jesus begegnet seiner Mutter

„Da sagte der Engel zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria; denn du hast bei Gott Gnade gefunden. Du wirst ein Kind empfangen, einen Sohn wirst du gebären: dem sollst du den Namen Jesus geben. Er wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden. Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben. Er wird über das Haus Jakob in Ewigkeit herrschen, und seine Herrschaft wird kein Ende haben.“

Lk 1,30-33

Fünfte Station – Simon von Cyrene wird gezwungen, Jesus zu helfen

„Als sie Jesus hinaus führten, ergriffen sie einen Mann aus Zyrene namens Simon, der gerade vom Feld kam. Ihm luden sie das Kreuz auf, damit er es hinter Jesus hertrage.“

Lk 23,26

Sechste Station – Veronika reicht Jesus ihr Schweißtuch

Veronika ist eine mutige Frau. Sie kümmert sich nicht um das Gerede der Anderen und reicht Jesus ein Schweißtuch.
„Wir alle spiegeln mit enthülltem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn wider und werden so in sein eigenes Bild verwandelt, von Herrlichkeit zu Herrlichkeit, durch den Geist des Herrn.“

2 Kor 3,18

Siebte Station – Jesus fällt zum zweiten Mal unter dem Kreuz

Jesus liegt wieder am Boden, alle Last, alle Laster der Welt liegen auf ihm und drücken ihn nieder.
„Hat Gott nicht die Armen in der Welt auserwählt, um sie durch den Glauben reich und zu Erben des Königreichs zu machen, das er denen verheißen hat, die ihn lieben? Ihr aber verachtet den Armen. Sind es nicht die Reichen, die euch unterdrücken und euch vor die Gerichte schleppen? Sind nicht sie es, die den hohen Namen lästern, der über euch ausgerufen worden ist Wenn ihr dagegen nach dem Wort der Schrift ‚Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst’ das königliche Gesetz erfüllt, dann handelt ihr recht.“

Jak 2,5-8

Achte Station – Jesus spricht zu den klagenden Frauen

„Es folgte eine große Menschenmenge, darunter auch Frauen, die um ihn klagten und weinten. Jesus wandte sich zu ihnen und sagte: Ihr Frauen von Jerusalem, weint nicht über mich; weint über euch und eure Kinder!“

Lk 23, 28

Neunte Station – Jesus fällt zum dritten Mal unter dem Kreuz

„Jesus sagte zu seinen Jüngern: Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach. Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, wird es gewinnen. Was nützt es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, dabei aber sein Leben einbüßt? Um welchen Preis kann ein Mensch sein Leben zurückkaufen?

Mt 16,24-26

Zehnte Station – Jesus wird seines Gewandes beraubt

So erfüllte sich das Schriftwort: Sie verteilten meine Kleider unter sich und warfen das Los über mein Gewand.
Was ist der Mensch, dass du Herr an ihn denkst. Du hast ihn nur wenig geringer gemacht als Gott, hast ihn mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt.


Elfte Station – Jesus wird ans Kreuz genagelt

Sie kamen zur Schädelhöhe. Dort kreuzigten sie Jesus und die Verbrecher, einen rechts und den anderen links. Jesus betete: Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.
„Er wurde verachtet und von den Menschen gemieden, ein Mann voller Schmerzen, mit Krankheit vertraut. Wie einer, vor dem man das Gesicht verhüllt, war er verachtet; wir schätzten ihn nicht. Aber er hat unsere Krankheit getragen und unsere Schmerzen auf sich geladen. Wir meinten, er sei von Gott geschlagen, von ihm getroffen und gebeugt. Doch er wurde durchbohrt wegen unserer Verbrechen, wegen unserer Sünden zermalmt. Zu unserem Heil lag die Strafe auf ihm, durch seine Wunden sind wir geheilt.“

Jes 53,3-5

Zwölfte Station – Jesus stirbt am Kreuz

Jesus übergibt sein Leben seinem Vater, er legt sich ganz in seine Hände, weil er weiß, in diesen Händen ist sein Leben, sein Wirken geborgen. Stellvertretend für uns alle ist er diesen Tod am Kreuz gestorben. Mit seinem Leben legt er stellvertretend auch uns in die Hände des Vaters.
„Er hat keine Sünde begangen, und in seinem Mund war kein trügerisches Wort. Er wurde geschmäht, schmähte aber nicht; er litt, drohte aber nicht, sondern überließ seine Sache dem gerechten Richter. Er hat unsere Sünden mit seinem Leib auf das Holz des Kreuzes getragen, damit wir tot seien für die Sünden und für die Gerechtigkeit leben. Durch seine Wunden seid ihr geheilt.“

1 Petr 2,22-24

Dreizehnte Station – Jesus wird vom Kreuz abgenommen

„Simeon segnete sie und sagte zu Maria, der Mutter Jesu: Dieser ist dazu bestimmt, dass in Israel viele durch ihn zu Fall kommen und viele aufgerichtet werden, und er wird ein Zeichen sein, dem widersprochen wird. Dadurch sollen die Gedanken vieler Menschen offenbar werden.“

Lk 2,34 f.

Vierzehnte Station – Jesus wird ins Grab gelegt

Josef von Arimathäa kauft ein Leintuch, wickelte Jesus Leichnam in das Tuch und legte ihn in ein Grab, das in einen Felsen gehauen war.
Noch im Tod strahlt er Ruhe aus. Der Glaube sagt uns: Der Tod ist nicht das Ende, sondern Durchgang zum Leben, zum Licht.