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Der Flügelaltar stand beim Prospekt Pate

Die Orgel

Aus der Rheinischen Post vom 10. Juni 1997

Niederrheinische Orgellandschaft

Vom Apostel Judas Thaddäus ist recht wenig bekannt. Dem entspricht die äußere Bescheidenheit der seinem Schutz anvertrauten Pfarrkirche an der Münchener Straße in Duisburg-Buchholz. Im neugotischen Stil entstanden 1898-1900 das Langhaus, 1908-1910 Querhaus und Chor. Statt mächtigem Kirchturm gibt es nur einen Dachreiter und ein Ecktürmchen. Da ahnt man nicht, welche Weite und Atmosphäre das Innere prägen.
Wer durch das Portal den Sakralraum betritt, ist angetan vom Licht, das durch die 1952/53 von P. Fietz geschaffenen bunten Fenster einfällt, oder auch vom neugotischen Flügelaltar, der 1912 in Wiedenbrück für die Kirche gefertigt wurde. Dieser Hochaltar hat seit 1991 ein gewisses Ebenbild im Prospekt der Orgel, wenn man sich die flankierenden Pedaltürme wegdenkt.

In Kastenform
Schon zu Beginn unseres Jahrhunderts gab es ein einmanualiges Instrument in Kastenform mit sieben Stimmen. Die Firma Fabritius in Kaiserswerth erweiterte das Werk 1934 auf zwei Manuale und Pedal mit 18 Registern. Bis 1947 waren die schweren Schäden aus den letzten Kriegsjahren beseitigt. Die Materialien jener Jahre waren mit ein Grund dafür, 1958 die Firma Ernst Seifert in Bergisch-Gladbach mit einem Umbau zu beauftragen, um gleichzeitig dem Instrument endlich ein stimmiges Konzept zu geben. Im Jahre 1980 wurde eine Renovierung unumgänglich. Doch dabei zeichnete sich ab, dass der Zustand der Orgel weitere Investitionen wenig sinnvoll erscheinen ließ.

Reich gestaffelt
Als Kantor Ulrich van Ooy vor neun Jahren als Kirchenmusiker in diese Pfarre kam, konnte er an der neuen Orgel mitplanen und selber die Disposition für das 27-Register-Werk erstellen. In Absprache mit ihm und Diözesan-Baumeister Dr. Heinz Dohmen (Essen) entwarf die Orgelbaufirma Seifert (Kevelaer) den bereits erwähnten, reich gestaffelten Prospekt.
Am 3. November 1991 erhielt das Instrument seine Weihe. Im Hauptwerk stehen neun Register, im Schwellwerk zwölf Stimmen, die Manuale haben je einen eigenen Tremulanten. Das älteste Pedalregister ist der offene Prinzipal 16‘ aus Holz, dieser stand zuvor in der Kempener Marienkirche. Das Schleifladen-Instrument zählt 1874 Pfeilen, hat eine voll aus Holz gebaute mechanische Spieltraktur mit elektronischer Registersteuerung.

Der Kantor schätzt an seiner Orgel das volle, jedoch nicht „schreiende“ Plenum, die schönen Zungen, die geteilten Aliquote, aber auch den spezifischen Klang einzelner Stimmen wie das flötenartige Gedackt, die romantische Vox coelestis oder die feine Traversflöte. 
Übrigens wird die Kirchenmusik hier vielseitig gepflegt: Van Ooy betreut einen Orff-Spielkreis, eine Blockflötengruppe, einen Jugendchor, eine Choralschola und einen Kinderchor. Nebenbei baute er noch selber eine Chororgel mit acht Registern.

 

Hans Rühl

Die neue Orgel aus dem Jahre 1991

Blick vom Altar auf die Orgel mit Bühne Orgel mit Orgelbühne Orgel Detailansicht