Gemeindewallfahrt nach Nievenheim und Knechtsteden

Im Rahmen der Gemeindewallfahrt machten sich am 09. Juli 2017 gut 100 Personen, Jung und Alt, auf den Weg nach Nievenheim, einem Geheimnis auf der Spur. Dieses wurde dann bei der Feier der hl. Messe gelüftet und es wurde klar, was Duisburg und Nievenheim verbindet: die Figur und Verehrung des Salvator mundi, des Erlösers der Welt. Nach einer Stärkung ging es dann in drei Gruppen weiter zum Kloster Knechtsteden, wo wir eine lebendige Abschlussandacht feierten. Es war schön, dass sich so viele beteiligt haben und wir eine bunte Gruppe waren. Für alle war es ein interessanter, spiritueller Tag.

Pastor Winkelmann lüftet das Geheimnis in seiner Predigt bei der Feier der hl. Messe in der Kirche St. Pankratius, Nievenheim

Wir schreiben das Jahr 1551.
Bauer Rudolf sitzt auf der großen Bank am Kachelofen und genießt die Wärme in seinem Rücken, die in dieser eisigen Februarkälte gut tut. Vieles geht ihm durch den Kopf, er versteht die Welt nicht mehr.
So viel ist geschehen und in Bewegung geraten, seit dieser Mönch Martin Luther im Jahr 1517 seine Thesen veröffentlicht hat. Was bis dahin geeint war, ist jetzt geteilt. Die eine Kirche gibt es nicht mehr, jetzt stehen sich Katholiken und Protestanten unversöhnlich gegenüber. Immer mehr lassen sich von der Begeisterung für die neue Bewegung erfassen, einfache Menschen, große Städte und mächtige Fürsten, sogar Bischöfe; auch der Rat der Stadt Duisburg, in der Rudolf wohnt, hat sich auf die Seite der Protestanten geschlagen. Alles, was katholisch scheint, wird entfernt oder zerstört. Und Nachbarn, die seit Generationen nebeneinander wohnen, grüßen sich auf einmal nicht mehr, sondern werfen sich nur noch böse Blicke zu.
Da hat Rudolf es nicht leicht, denn er hält fest an seinem alten Glauben, in dem er erzogen worden ist und alt geworden ist. Er ist katholisch und will katholisch bleiben. Dafür riskiert er strenge Strafen, aber nie im Leben würde ihm einfallen, das, was ihm sein ganzes Leben lang heilig war, zu verraten.
Rudolf erbebt innerlich, als er das alles bedenkt. Besonders empört ihn der Beschluss des Stadtrats, die Figur des Salvators mundi, des Erlösers der Welt, aus der Salvatorkirche zu entfernen. Wie oft hat er vor dieser Christusfigur gekniet und gebetet, dem Erlöser sein Leid geklagt oder für sein Glück gedankt, hat seine Einladung gehört: „Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt, ich werde euch Ruhe verschaffen." Und immer ist er gestärkt wieder gegangen.
Aber nicht nur er, sondern unzählige Menschen haben sich auf den Weg gemacht nach Duisburg zum Salvator mundi. Rudolf weiß aus Erzählungen seiner Vorfahren, dass seit über 200 Jahren schon zahllose Gläubige in die Salvatorkirche pilgerten und hier den Erlöser der Welt verehrten. Und wie herrlich war die jährliche große Prozession mit der Christusfigur durch die Straßen der Stadt, die Menschen drängelten sich am Straßenrand, um einen Blick zu erhaschen auf die festlich geschmückte Figur des Heilands. Doch seit einigen Jahren schon durfte diese Prozession nicht mehr stattfinden, der Duisburger Magistrat hatte sie verboten, was bei den Protestanten zu großem Jubel, bei den Katholiken zu bitterer Enttäuschung geführt hatte.
Und jetzt das! Abgenommen, aus der Kirche entfernt, in die Rumpelkammer geworfen. Welch ein Frevel, welch eine Gotteslästerung! Rudolf ist außer sich und könnte weinen vor Wut. Was soll er tun? Was kann er tun? Ruhig sitzenbleiben und zuschauen, wie alles Heilige mit Füßen getreten wird? Nein, irgendetwas muss geschehen! Aber was?
In der Nacht liegt Rudolf in seinem Bett und dreht sich von links nach rechts. Der Schlaf will einfach nicht zu ihm kommen, immer wieder gehen seine Gedanken zum Salvator mundi, der jetzt würdelos in einer Rumpelkammer liegt. Da durchzuckt es ihn: „Wer fähig ist, die Figur in die Rumpelkammer zu werfen, ist auch fähig, sie zu zerstören oder zu verbrennen. Das darf niemals passieren! Ich muss den Heiland retten!"
Aber wie soll er das anstellen? Und was soll er mit der Figur machen? Er braucht einen Plan.
Nach einer schlaflosen Nacht, als es gerade hell wird, macht er sich auf den Weg zur Salvatorkirche. Er muss herausfinden, wo genau die Rumpelkammer ist und wie sie gesichert ist. Denn er weiß jetzt, dass er die Figur an sich bringen und dann dem Erzbischof von Köln bringen will, wo sie in guten Händen sein wird. Schnell stellt er fest, dass die Rumpelkammer mehr ein Schuppen ist, außen an der Kirche angesetzt, nur mit einem schwachen Schloss gesichert. Das dürfte kein großes Problem werden. Jetzt muss er nur noch einen günstigen Zeitpunkt abwarten, um seinen Plan in die Tat umzusetzen.
Als dann nach einigen sternenklaren, bitterkalten Nächten dichte Wolken Mond und Sterne verdecken und es stockdunkel ist, ist der richtige Zeitpunkt gekommen. Jetzt oder nie. Und nicht daran denken, was ihn erwartet, wenn man ihn erwischt. Aber Rudolf weiß, dass er das Richtige tut, und das gibt ihm Kraft. Noch einmal betet er still und bittet den Heiland, ihm Kraft zu geben und ihn zu beschützen, damit alles gut geht. Nachdem er das Kreuzzeichen gemacht hat, macht er sich auf den Weg. Glücklicherweise ist in den letzten Tagen viel Neuschnee gefallen, der alle Geräusche dämpft, so ist er kaum zu hören. An der Rumpelkammer angekommen, schaut Rudolf noch einmal umher; nicht dass gerade jetzt der Nachtwächter daherkommt. Aber es ist nichts zu hören, alles ist still.
Rudolf bricht so leise wie möglich das Schloss der Kammer auf und wartet einen Moment, bis sich seine Augen an das Dunkel gewöhnt haben. Und dann sieht er die Figur schon, achtlos in eine Ecke geworfen. Wieder steigt Wut in ihm auf, doch er zwingt sich, ruhig zu bleiben. Denn er braucht jetzt einen kühlen Kopf. Voller Ehrfurcht hebt er den Heiland vom Boden auf, schlägt ihn in dicke Decken ein und steckt die Figur dann in einen großen Kartoffelsack, den er dafür mitgebracht hat.
Schnell macht er sich jetzt auf den Weg, hinaus aus der Stadt, rheinaufwärts Richtung Düsseldorf, den Sack auf den Schultern. Er huscht durch die Straßen, immer um sich blickend, immer in Angst, erwischt zu werden. Erst als er die Stadtmauern hinter sich hat, beruhigt sich sein Herz etwas. Jetzt ist die Gefahr nicht mehr ganz so groß. Er läuft und läuft, macht nur kurze Pausen, um zu verschnaufen oder sich zu stärken mit dem, was in einem Beutel an seiner Seite ist.
In Düsseldorf überquert Rudolf den Rhein und läuft jetzt linksrheinisch weiter Richtung Köln. So kommt er auf seinem Weg nach zwei Tagen nach Nievenheim, einem kleinen Bauerndorf. Hier kennt er einen Bauern, dem er vertrauen kann und bei dem er übernachtet. Als er am nächsten Morgen aufbrechen will - er ist gerade ein paar Schritte gelaufen -, da bricht ein Schneesturm los, dass er vor lauter Schneeflocken die Hand vor den Augen nicht mehr sieht, gar nicht zu reden von dem Weg, den er gehen will. Also bleibt ihm nichts übrig, als umzukehren und abzuwarten. Doch der Sturm flaut erst am späten Abend ab, so dass es für einen Aufbruch zu spät ist. Rudolf muss noch einmal übernachten, was ihm aber auch ganz recht ist, denn der Weg von Duisburg nach Nievenheim war beschwerlich und hat viel Kraft gekostet.
Am nächsten Morgen macht er sich wieder auf den Weg, doch es scheint, als habe sich der Himmel gegen ihn verschworen. Wieder ein Schneesturm wie gestern, und wieder eine, diesmal ungewollte Übernachtung.
„Aller guten Dinge sind drei", denkt sich Rudolf, als er bei Tagesanbruch einen neuen Anlauf nimmt, „ich muss nach Köln, ich muss den Heiland retten, ich muss weiter!" Doch daraus wird auch heute nichts. Der Wind pfeift so heftig, dass er kaum vorankommt, schon gar nicht mit der schweren Figur auf den Schultern. Verzweifelt bleibt Rudolf stehen. Was soll er jetzt machen? Vielleicht ist das ein Zeichen des Himmels? Will der Heiland vielleicht gar nicht nach Köln? Will er vielleicht hier in Nievenheim bleiben und hier verehrt werden?
Einige Zeit bleibt Rudolf stehen und überlegt. Dann macht er entschlossen kehrt und sucht den Weg zur Nievenheimer Kirche St. Pankratius. „Herr, wenn du es so willst, dann soll es so sein. Du hast mich bisher auf meinem Weg geleitet und wirst es auch jetzt tun. Ich vertraue auf deine Führung." So betet er still, und schon steht er vor der Kirche mit dem Pfarrhaus. Hier klopft er an, und der Pfarrer selbst öffnet ihm. Erstaunt über diesen fremden Gast, bittet der Pfarrer Rudolf herein. Hier erzählt Rudolf die ganze Geschichte und wie er das Zeichen des Himmels bekommen hat, den Salvator mundi nicht nach Köln zu bringen, sondern in Nievenheim zu lassen.
Dann holt er die Figur vorsichtig aus dem Kartoffelsack und übergibt sie dem Pfarrer, der sie voller Ehrfurcht entgegennimmt. Gemeinsam gehen sie in die Kirche und stellen sie auf den Hochaltar. Nach einem kurzen stillen Gebet verabschieden sie sich voneinander, und Rudolf macht sich auf den Weg zurück nach Duisburg, erfüllt von dem glücklichen Gefühl, den Heiland gerettet zu haben.
Seitdem wird der Salvator mundi, der Erlöser der Welt, nicht mehr in Duisburg, sondern in Nievenheim verehrt, und unzählige Menschen sind seiner Einladung gefolgt: „Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt, ich werde euch Ruhe verschaffen."

Die Geschichte vom Bauer Rudolf kann hier auch zum Ausdruck heruntergeladen werden:

 

Die Geschichte vom Bauer Rudolf

Einige fotografische Impressionen vom Tage

Ankunft an der Kirche St. Pankratius in Nievenheim

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In der Kirche St. Pankratius

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Die Gruppe der Messdiener aus St. Judas Thaddäus und St. Franziskus mit Pastor Winkelmann und Diakon Haberl

Mittagspause

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Auf dem Weg zum Kloster Knechtsteden

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Ankunft im Kloster Knechtsteden und Abschlussandacht

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